Schnorchelfabrik Weblog : minimal blogging redux


Schnipsel zur Netzkultur, Informations-Allmende und Randgebieten

Freitag, 22. Oktober 2004

Bach-Mission
Zur Beglückung der dortigen Bevölkerung mit überwiegend deutschem Liedgut reise ich ab morgen eine Woche durch Griechenland. Nächste Einträge zu Allerheiligen.

um 21:43 in /meta  [#]

Dienstag, 19. Oktober 2004

Brando Brand
Der Guardian berichtet über die vorsorgliche Absicherung der Vermarktungsrechte an Marlon Brando und spekuliert über den lukrativsten Markenschutz seit Humphrey Bogart. Rebellische Brando-Tattoos werden also lizenzpflichtig. Im Grunde nicht verkehrt (wer will andere schon von seinem Tod profitieren lassen?). Nur Brando hat nichts mehr davon. Was wir im Grunde schon von Micky Maus kennen: Märchenstoffe klauen, aber die eigenen Geschichte möglichst für immer aus der Public Domain verbannen. Könnte ja noch was wert sein.

um 23:02 in /copy  [#]

World Intellectual Wealth Organisation
... lautet ein neuer Anti-WIPO-Vorschlag der Free Software Foundation Europe. FSFE says that WIWO will be "dedicated to the research and promotion of novel and imaginative ways to encourage the production and dissemination of knowledge"
(Quelle: Slashdot)

um 22:50 in /copy  [#]

Immer schön moralisch sauber bleiben
Menschenrechte sind eine wichtige Sache, zweifellos. Wer sie aber als Argumentationshilfe gegen sogenanntes spielerisches Töten benutzt, weiß nicht unbedingt, was sie eigentlich bedeuten. So wird das kürzlich erfolgte, höchsteuropäisch bestätigte Verbot des (längst insolventen) Bonner Laserdrome kaum zur Verbesserung der Kriminalitätsstatistik der Bundesstadt beitragen können. Achtung der Menschenrechte (und -würde) besteht nicht darin, Leuten in ihrer Freizeit das Fangenspielen zu verbieten - ob man sie nun mit der Hand oder einem Lichtpunkt berührt. Gleiches gilt für Computerspiele, welche zwar bei jedem neuen Schulhofmassaker aus der Mottenkiste gezerrt werden, jedoch glücklicherweise heute in der Medienwirkungsforschung weitaus differenzierter behandelt werden. Aber manche Leute wollen halt davon nix wissen. Mosaikum kritisiert ganz zu Recht einen SZ-Artikel über die Verdoomung der Republik.

um 22:45 in   [#]

Freitag, 15. Oktober 2004

SF-Ikone bloggt
William "Neuromancer" Gibson bloggt weiter: At times, to be silent is to lie. Sein neues gelobtes Buch Pattern Recognition ist gerade als Mustererkennung auf deutsch erschienen. (bei Klett-Cotta)

um 23:12 in /netz  [#]

Dienstag, 12. Oktober 2004

Babarobot
Vor der Hamburger Fabrik musste erst trunkene russische Jugend passiert werden, dann hatte ich auch schon ein Exemplar in den Händen. Die russische Ska/Rock/Punk/Soul/-sonstwas-Band Leningrad, angeblich mit Moskauer Auftrittsverbot heilig gesprochen, hat ein neues Album, das gibts hierzulande nämlich nicht in den Läden, sondern nur auf Tour. Es ist recht eigenartige Musik darauf für diese Band (aber tolle Ohrwürmer). Des Kyrillischen nicht mächtige Zeitgenossen können in der St. Petersburg Times nachlesen: The plot of "Babarobot" is ridiculous. Three redneck teenagers get fixed up with a job at a factory, where in accordance with the current times no wages are paid but meals are offered instead. As they do not have to do any work either, they pass their time at a beer kiosk where they get the great idea to sell one of them - appropriately nicknamed "Robot" - as a housekeeping robot. The man who buys the alleged robot falls in love with him and buys two tickets to the Russian southern resort of Gelendzhik, supposedly a dream destination in Soviet times. However, the train does not reach Gelendzhik, because it is blown up by terrorists.

um 22:44 in /schrift  [#]

Bücher, schöne Mädchen (und Kafka)
Der Buchmarkttrend geht zu billigem Klassikerverramsche, doch Achtung, der geübte Leser achtet darauf, dass die Rücken in seinem Bücherregal auch bloß keine pöbeligen BILD-Lettern zieren. Denn der intellektuelle Besuch guckt immer zuerst auf die Bücher, und wenns schöne Mädchen sind, solls doch wenigstens nicht an den Büchern gelegen haben. Dann lieber:
Du bist kein Herzog mit fliegendem Namen, kein breiter Amerikaner mit indianischem Wuchs, mit waagrecht ruhenden Augen, mit einer von der Luft der Rasenplätze und der sie durchströmenden Flüsse massierten Haut, du hast keine Reisen gemacht zu den großen Seen und auf ihnen, die ich weiß nicht wo zu finden sind. Also ich bitte, warum soll ich, ein schönes Mädchen, mit dir gehn? Hörte ich dies aus Frauenmund, so müsste ich ob dieser schönsten aller Abweisungen sofort innerlich zerbrechen. (aus: Frank Kafka, Die Abweisung). Das gibts auch billig bei zweitausendeins als Werkausgabe für 7,99 EUR.

um 22:30 in /literatur  [#]

Sonntag, 10. Oktober 2004

Monokulturen: Corn Flakes und Software
Meine jährliche Frühstücks-Monokultur aus überteuert angebotenen Markenmaisflocken (aber der Geschmack!) bringt immer neue Gimmicks vor mein Angesicht. Aktuell rieselt mit den knusprigen Flakes ein Plastikclip zum Tütenzumachen heraus. Zur weiteren Verbreitung von ebenfalls künstlich hochpreisiger Software darf man darüber hinaus Punkte sammeln und bekommt dann ein MS-Office-Paket um zehn Euro reduziert. Tolle Wurst. Die "Schüler-Studierende-Lehrer"-Version kann, so der Packungsseitentext, "auch von Personen genutzt werden, die mit im Haushalt leben, z.B. den Eltern", und nicht genug, sondern auch " bis zu 3mal installiert werden". Wie gut, da müssen dann die Eltern keine Eltern-Version kaufen, das frühstückende Volk atmet auf. Danke für das tolle Angebot, Microsoft! In Demut geneigt, der Autor (auf einem ebenso mit Eltern-Erlaubnis lizenzierten schicken GNU/Linux-Rechner).

um 22:44 in /libresoft  [#]

Freitag, 08. Oktober 2004

Oder fragen Sie einen Bibliothekar
Guten Abend. Alles wird gut. Nach der Herbstreise gibt es wieder eine Prise guter Vorsätze zum Weiterleben dieses Blogs. Tendenzen in Richtung täglichem Eintrag sind durchaus erkennbar und nicht fern der Realität. Belangloses zum Einstieg: eine Fehlermeldung des Bayerischen Bibliotheksverbunds, welche da verlauten lässt: "Die Ressource ist momentan nicht verfügbar - versuchen Sie es später noch einmal oder fragen Sie einen Bibliothekar. "
Sympathisch. Leider war ich im Moment der einzige von der Sorte in der Nähe und konnte mir auch nicht helfen.

um 00:08 in /biblio  [#]