Schnorchelfabrik Weblog : minimal blogging redux


Schnipsel zur Netzkultur, Informations-Allmende und Randgebieten

Sonntag, 29. August 2004

Zeitschrift zu Information Ethics
Neu auf dem akademischen Zeitschriftenmarkt mit informationsethischem Bezug ist das IJIE, das International Journal of Information Ethics. Aus der Beschreibung:
It envisions an international as well as intercultural discussion focusing on the ethical impacts of information technology on human practices and thinking, social interaction, other areas of science and research and the society itself. Das Journal erscheint elektronisch, die Inhalte sind im Volltext frei im Netz verfügbar.

um 22:05 in /netz  [#]

Speichern für die Ewigkeit?
Nicht nur die Archive und Bibliotheken rätseln über die zukünftige digitale Langzeitarchivierung, das Thema berührt natürlich auch die Alltagswelt. Was die Forschung so unternimmt, schildert ein Artikel der Nikkei Electronics Asia. Übrigens, welcher stolze i-Pod-Besitzer hat sich eigentlich schon Gedanken darüber gemacht, ob seine digitalen Musikkopien fünf Jahre auf der Festplatte überleben?
(über Archivalia)

um 22:00 in /tech  [#]

Donnerstag, 26. August 2004

Tragik der Wissensvermehrung
Bibliothekare wissen: Wissenschaft in Buchform ist ziemlich teuer -- ein einziger Band vernichtet schon mal locker 150 Euro des Erwerbungsetats. Lisnews bloggt über einen Zeitungsbericht, nach dem texanische Studenten die teuren Schmöker aus dem Buchladen über die Grenze karren, um dort in günstigen mexikanischen Copy-Shops Abzüge anzufertigen (um dann die Bücher wieder umzutauschen). Was seltsam klingt, spart anscheinend bares Geld -- und offenbart doch eine rechte Tragik: Wissenserwerb ist unerschwinglich.
Wenn man die Wahl hat zwischen exklusiven Print-Ausgaben, die sich nur die Bibliotheken noch leisten können (müssen) und dem Abruf der gleichen Informationen in kostengünstigen digitalen Netzen, dann fällt meine Entscheidung nicht schwer.
Eine interessante weiterführende Diskussion dazu via Slashdot: (are there any projects out there, beyond the P2P networks, to distribute possibly-protected information by any means neccessary?)

um 21:50 in /biblio  [#]

Zürcher Bibliotheksneubau schwebt
Die NZZ nimmt sich des "spektakulären Umbaus" des Universitätsgebäudes Rämistrasse an und bestaunt die frische Architektur:
Dadurch, dass der Einbau nur gerade an acht Punkten aufliegt, bleibt die Struktur des alten Innenhofs weitgehend erhalten und deutlich ablesbar, womit einer Anforderung der Denkmalpflege Rechnung getragen werden konnte. Entstanden ist eine weiträumige, durch keinerlei Stützen blockierte Halle, über welcher der Bibliothekskoloss gleichsam zu schweben scheint
(Neue Zürcher Zeitung, 26. August 2004)

um 21:10 in /biblio  [#]

Dienstag, 24. August 2004

Intoxication Culture
Starker Tobak, berichtet in den BBC News: People who smoke cigarettes are pumping out 10 times more toxic air than cars. Und kommt mir jetzt nicht mit der langen Kulturgeschichte des Rauchens -- werbegesteuerte Selbstvergiftung ist wahrlich kein Ruhmesblatt für eine aufgeklärte Gesellschaft, sondern Zeichen eines schwachen Geistes. Basta.

um 23:35 in /rest  [#]

RSS-Aggregator der Nature Publishing Group
Wieder einer für die unendliche Liste der Aggregatoren: Urchin kam aus dem Kreise der UK Joint Information Systems Committee und liegt nun in der Version 0.92 vor. Es basiert auf Perl (schön!) und läuft als Serversoftware mit einer MySQL-Datenbank und hat laut Liste einige schöne Funktionalitäten. Ist vorgemerkt für eine Testinstallation.

um 23:34 in /tech  [#]

Bücher kaufen? Bier trinken!
Britische Studenten vertrinken dreimal so viel Kohle wie sie für Bücher ausgeben (besagt der Student Living Index der Royal Band of Scotland lt. Spiegel online. Aber warum auch, schließlich gibts doch Bibliotheken!

um 23:27 in /biblio  [#]

Samstag, 21. August 2004

Hier kommt die Kaltfront
Die warmen Tage sind angezählt; warum nur überkommt mich ein solches Hochgefühl beim scheidenden kurzen Sommer? Nasses Laub auf den Straßen, es dunkelt immer früher, und abends schon mal kalte Ohren im Wind. Wahrscheinlich ist es die Aussicht auf Entspannung nach dem vielen Draussen-Sein-Müssen im Sonnenschein. Die Kultur kommt langsam zurück in die Stadt aus ihrem Sommerurlaub. Passend dazu lege ich jetzt die neue Sterne-CD ein: Hier kommt die Kaltfront -- ein Meer der Frische, nur ohne Fische -- alles unberührt. Wie vielversprechend. Willkommen, Herbst!

um 22:48 in /rest  [#]

Schwer beschaffbare Literatur (Erinnerung an H.P.L.)
Seine Korrespondenz mit der Widener Library in Harvard, der Bibliotheque Nationale in Paris, der Universität von Buenos Aires und der Bibliothek der Miscatonic University in Arkham war unbefriedigend verlaufen; es gelang ihm nicht, das Buch zu bekommen, das er so verzweifelt suchte. So machte er sich schließlich persönlich auf den Weg, abgerissen, schmutzig, bärtig und einen seltsamen Dialekt sprechend, um in eine Ausgabe in Miscatonic Einblick zu erhalten, das von ihm aus am wenigsten weit entfernt war. Fast acht Fuß groß, mit einem neuen billigen Handkoffer aus Osborns Store erschien diese dunkle bocksähnliche Chimäre eines Tages in Arkham und verlangte den schaudervollen Band, der in der College-Bibliothek hinter Schloß und Riegel aufbewahrt wurde - das grauenhafte Necronomicon des wahnsinnigen Arabers Abdul Alhazred in Olaus Wormius' lateinischer Ausgabe, die im siebzehnten Jahrhundert in Spanien gedruckt wurde.
(aus: H.P. Lovecraft: Das Grauen von Dunwich / The Dunwich Horror (1929). In: Ctulhu - Geistergeschichten, S. 172. Deutsch von H.C. Artmann. Suhrkamp 1972.)

Lovecraft wäre am 20. August 114 Jahre alt geworden und starb bereits 46jährig im Jahre 1937.

um 10:19 in /literatur  [#]

Musikfertigung, industriell
Einen weiteren Kommentar zum vielbeschworenen Ende der Musikindustrie (apropos: gerade komme ich von einem Festival, auf dem mehrere Tausend Leute ihr sauer verdientes Geld gerne gelassen haben) entnehme ich dem Weblog Kritische Masse.
Diese Majors aber auch noch als Kreativwirtschaft zu bezeichnen, grenzt an Wahnsinn. Diese Kreativwirtschaft war der goldene Käfig für den Musikzoo, der sich in der Hoffnung auf das große Geld und Berühmtheit hinein begeben hat. (...) Mach' aus industrieller Musikfertigung ein Kreativprodukt, denn nur so kann man es unter besonderen gesellschaftlichen Schutz durch Gesetze stellen. Das ist der Trick dabei.
Schönes Zitat nachgereicht vom Zeitungsausriss an meiner Schreibtischwand vor der Nase: Endlich verschwinden diese ganzen Rendite-Typen aus dem Rock&Roll und halten sich wieder an Containerschiffe oder Junk Bonds von den Caymaninseln. Die Herstellung von Popmusik wird im kommenden goldenen Zeitalter wieder von Spinnern übernommen. Mit dem derzeitigen Personalexodus verschwindet - rein strukturell betrachtet - auch die Generation der Puffgänger und Föhnfrisuren im Popgeschäft. (Ralf Niemczyk in der taz vom 23.01.04.


um 10:19 in /netz  [#]

Montag, 16. August 2004

Buch oder Schokoriegel?
Mit deutlicher Verzögerung nach bereits ausgiebiger Presseberichterstattung, aber rechtzeitig zur Ausweitung der Idee auf weitere Städte neben Berlin hier nocheinmal der Hinweis auf die Automatenliteratur von SuKuLTuR. Für jeweils einen Euro kann der Hungrige sich ein Büchlein der Reihe Schöner Lesen ziehen. An ausgewählten Automaten Ihres Vertrauens.

um 23:22 in /literatur  [#]

Freie Gedankenbahnen: Neuere Bibliotheksbauten
Einen längeren lesenswerten Artikel zu den neueren Bibliotheksbauten im Osten Deutschlands bringt heute die Neue Zürcher Zeitung. Auszug:
Der amöbenartig gekurvte Grundriss und die offenen Geschossebenen dieser Universitätsbibliothek sprechen von fliessenden Modulationen, unhierarchischen Strukturen und freien Gedankenbahnen; gleichzeitig wirkt die umlaufende bedruckte Glasfassade wie ein leichter Vorhang zwischen dem Innenraum und dem umgebenden Park. Was hier entsteht, ist Architektur, die das Flirren der Datenströme ebenso reflektiert wie die fortwährende Wandlungsfähigkeit der Natur .

um 23:14 in /biblio  [#]

Dienstag, 10. August 2004

Unverbrämte Bannerwerbung
Olympische Spiele allerorten, der sportliche Geist hat Hochkonjunktur. Gegen den massiven Kommerz der Spiele ist ja kaum etwas zu sagen, schließlich hatten schon die alten Griechen nicht viel von Amateurtum gehalten und gingen zu mehreren an den Wettbewerben zugrunde (oder zogen mit Ruhm und Geldsäcken vondannen). Den unfreiwillig komischsten Bannertext seit langem dazu liefert nun amazon.com auf seiner Hauptseite: Celebrate the 2004 Games. Shop now. Der olympische Geist lebt, in der Tat.

um 23:36 in /netz  [#]

Sonntag, 01. August 2004

Wiederentdeckter Sommerhit
Sie hocken auf Tomaten und auf Aprikosen,
sie stehn sogar auf leere Pfirsichdosen,
sie sind überall, auf dem Klo und im Bad,
sie putzen sich auf Kiwis und sie ficken im Salat.
(Refrain:) Fruchtfliegen, hört her ihr Fruchtfliegen:
wir werden euch alle kriegen,
ihr verdammten Fruchtfliegen.


...sang der großartige Funny van Dannen schon vor einigen Jahren, auf der Platte Basics.

um 13:37 in /rest  [#]