Donnerstag, 25. März 2004
Creative Commons gedeiht
Und noch einmal Larry Lessig: sein neues Buch Free Culture ist nun
bei Penguin erschienen und neben der Printausgabe auch unter einer CC-Lizenz
herunterladbar.
Die Ausweitung und Verfeinerung der Lizenzen auf wissenschaftliche Texte soll
nun vorangetrieben werden: Science Commons will delve into both legal
areas (patents, data) and subject matter (biomedicine)
outside the scope of our current organization, und auch die Anpassung auf
die deutschen Verhältnisse ist in der Mache; spätestens auf der im Juni in
Berlin stattfindenden dritten "Wizards of OS" sollen die Entwürfe
zur Diskussion gestellt werden. Auf dem dreitägigen Kongress werden auch
bibliotheksrelevante Themen zu diskutieren sein, vorgesehen sind z.B.
Themenkreise zu offenen Archiven und Open Access Publishing. Vielleicht sieht
man sich ja in Berlin (10.-12.06.).
(Quellen: CC Blog, Lessig Blog)
um 21:58 in /copy [#]
Dienstag, 23. März 2004
Neue Copyright-Klage aus Stanford
Prof. Lawrence Lessig und weitere Anwälte des Stanford Center for Internet and
Society haben gestern bei einem kalifornischen Gericht einen Antrag
eingereicht, der einige interessante Punkte enthält. Brewster Kahle, führender
Kopf des Internet-Archive-Projekts, und
Richard Prelinger vom Prelinger Film
Archive wenden sich gegen die ihrer Meinung nach gegen die US-Verfassung
verstoßende "unendliche" Verlängerung des Copyrights auf Werke
zwischen 1964 und 1978. Werke dieser Zeit seien durch die Umstellung des
Copyright-Systems von ehemals notwendiger Registrierung hin zu der
internationalen Angleichung an die Vereinbarungen der Berner Konvention
(Copyright Act 1976; Berne Convention Implementation Act 1992; dazu Copyright
Term Extension Act 1998) dermaßen in
ihrem Copyright-Schutz verlängert worden, dass sie auf absehbare Zeit quasi
weggeschlossen bleiben. Wirklich problematisch ist dies für kommerziell nicht
mehr verwertete oder verwertbare Werke, deren Urheber nur schwer oder gar nicht mehr
kontaktiert werden können, gleichzeitig aber überhaupt nicht mehr an eine
mögliche kommerzielle Verwertung denken, von der das derzeitige US-Recht aber
stets ausgeht. In der Klage heißen diese orphaned works,
also verwaiste Werke.
Ob eine Rückkehr zum Registrierzwang für vollen Copyrightschutz die Probleme
bewältigt, ist aber doch sehr zweifelhaft. Sicherlich kann der bewusste
Umgang mit dem Urheberrecht nach der europäischen Tradition in Verbindung mit
sinnvollem Einsatz der Verwertungsrechte ein besserer Weg sein. Dennoch sind
die entstandenen Fristen ohne wirkliches Haltbarkeitsdatum natürlich ein echt
dicker Hund und behindern die Zugänglichmachung und Archivierung von kulturellem Gut
in vielerlei Hinsicht.
(mehr: Stanford
CIS Blog)
um 23:06 in /copy [#]
Freitag, 19. März 2004
Süddeutsche Zeitung verschenkt Bücher (echt gebundene!)
Morgen startet die SZ ihre
Buchreihe Bibliothek. Dabei wird in den nächsten 50 Wochen jede Woche ein
gebundenes (!) Buch zum Preis um 4,90 EUR unter das Volk geworfen. Bei den
Parallelausgaben handelt es sich um literarische Hochkaräter: Handke, Hesse,
Joyce, alles dabei. Wer schnell ist, bekommt das Start-Exemplar (Milan Kunderas
unerträgliche Leichtigkeit des Seins) gratis per
Post.
Qualitätsliteratur zum Dumpingpreis: darauf hat die Aldi-Gesellschaft nur
gewartet.
um 23:08 in /biblio [#]
Donnerstag, 18. März 2004
LoC startet Langzeitarchivierungsprojekt
Die Federal
Computer Week berichtet über das Langzeitarchivierungsprojekt im großen
Stil der Library of Congress.
(über ShelfLife)
um 21:59 in /biblio [#]
Feeds auf Text-Terminals lesen
Erste Tests mit einem neuen Reader fallen hervorragend aus: Oliver Feilers Snownews ist ein
erstaunlicher kleiner RSS-Reader auf Textbasis für Unix/Linux-Terminals. Aufgeräumte
Präsentation und wenige Tastenbefehle machen das Lesen äußerst effizient und
zum Vergnügen. Ein weiterer Beweis für die These, dass man für eine
ordentliche Usability keine Grafikaufsätze braucht, sondern gut durchdachte
Funktionalität.
Der Quellcode ist als Freie Software unter der GPL lizenziert.
um 21:42 in /tools [#]
Vorerst knapp daneben
43.000 km sind verdammt schmal an der Erde dran. Heute um 23.08 Uhr wird der
bisher knappste bekannte Fly-By eines mutmaßlichen Asteroiden über die Bühne gehen.
Some experts have doubted that the object is a space rock suggesting that
it could be a discarded rocket booster.
(über BBC News)
um 21:33 in /rest [#]
Montag, 15. März 2004
Blick in die Zukunft
Die Inhaber und Verwerter von Urheber-, Patent- oder Markenrechten
durften wenige Monate später nach der erfolgten Umsetzung der Richtlinie in
nationales Recht ohne die Einleitung umständlicher Strafverfahren umfassende
Auskünfte über Bürger einholen, die sich des Verstoßes an ihrem "geistigen
Eigentum" verdächtig gemacht hatten. Sie durften mit Hilfe willfähriger
Richter Hausdurchsuchungen anordnen und Bankunterlagen, Computer oder andere
Beweismittel konfiszieren. Sie konnten hohe Schadensersatzforderungen
einklagen und die Streitkosten sowie "immaterielle Schäden" auf die
Betroffenen abwälzen.
(in Telepolis)
um 23:22 in /copy [#]
Die Zeichen im Terror
Am Aufgang der Metrostation Lavapies stützt sich ein hutzeliges Männchen
mit seiner Krücke ab, um mit Kreide etwas auf die Stufen zu malen. "P-2"
schreibt er, dann ein Gleichheitszeichen und ein "M", doch bevor er "M-11" zu
Ende führen kann, geht ihm die Kreide aus. Mit irren Augen blickt er um sich,
rafft seine Sachen und humpelt eilig davon. Geheimlogen, Rosenkreuzer,
Freimaurer sind ihm auf den Fersen. M-11, der jüngste Hitpoint für
Konspirationstheorien, es kann wieder losgehen (Christoph Twickel in der taz).
Zeichen. Crespon negro. Und hochauflösende Foto-Strecken für den
Katastrophenvoyeur allerorten komplettieren die verachtenswerte Mission der
Terroristen. Die Bilder und die Schrift sind die mächtigen Zeichen
und der Maßstab der zukünftigen Gewalt: vom Individuum sowie vom Staate. Großer Mist.
um 23:21 in /schrift [#]
Donnerstag, 11. März 2004
Besser werben mit den Amazonen
Man mag von Amazon halten was man will: auf der Suche nach
Special-Interest-Literatur kommt man an ihrem riesigen Katalog kaum vorbei,
sogar out-of-print-Titel sind hier fast immer nachgewiesen.
Auf
Verwunderung stieß ich aber heute bei einer Suche nach einem englischen Titel.
Amazon.com (die US-Ausgabe) belästigt hier und da mit sog. Sponsored
Links, welche aus Google AdWords zusammengesetzt
werden. Man mag ja noch verstehen, wenn die Suche nach einer
Bruce-Springsteen-CD im Beispiel zum passenden Konzertveranstalter linkt;
warum um alles in der Welt aber bekomme ich bei der Suche nach "Mirrlees
welfare incentives" die Anzeige eines Ballonreiseveranstalters im bergischen
Land? Es funktioniert mit diversen IP-Adressen, sogar über eine
anonymisierte Mix-Kaskade innerhalb Deutschlands. Reproduzierbar bisher nur
mit "Welfare"-Stichwörtern. Aufklärung über die Verbindung vom Wohlfartswesen
und der Ballonfahrt erbittet an spam@blog.schnorchelfabrik.de.
um 21:07 in /netz [#]
Dienstag, 09. März 2004
Verfeinerte CMS, quelloffen
Nach einem kurzen Ausflug ins allgemeine Kerry-Bashing und Bush-Pushing der
konservativen US-Polit-Blog-Szene (auf Links verzichte ich mal gnädig) nun
wieder ein erfreuliches (und weniger ideologiebehaftetes) Thema. Das M.I.T.-Open-Course-Ware-Projekt rechtfertigt sich doch
tatsächlich für die Tatsache, dass die ganzen Skripten mit einer
Microsoft-Software publiziert werden: ein Zeichen für den mittlerweile weit
reichenden Respekt vor den Errungenschaften der Freien Software. In der Tat,
im sogenannten Content-Management-Bereich sind wirklich leistungs- und
lebensfähige Projekte entstanden, die einen Blick wert sind. Typo 3 wurde einst von der c't empfohlen, Midgard ist auch längst den
Kinderschuhen entwachsen, und auch Open CMS ist
state-of-the-art-technology auf Java/XML-Basis und harmoniert auch mit
proprietären Produkten. Mal testen.
um 22:35 in /tech [#]
Sonntag, 07. März 2004
Neues Biblio-Blog: Conservator
Seit Februar online ist das Conservator
Blog von Jack Stephens. Zu finden sind sehr US-lastige
thoughts on libraries and freedom, mit starken eindeutigen politischen
Tendenzen -- der Leser sei gewarnt.
um 21:07 in /biblio [#]
Reflexion über RSS, neuer RSS 2.0-Feed
Nachdem die fortschrittlicheren Leser hier wiederholt über den
mangelhaften RSS-Feed gemosert haben, kam ich um ein wenig
Gedankenmacherei nicht herum. Und was ist dabei herausgekommen? Alle
machen RSS, aber beim Formatverständnis haperts gelegentlich. Die
Software produziert es, aber nachschauen was da rauskommt, tun die
wenigsten.
Testweise habe ich ein paar fremde Feeds validiert, wobei die
Hälfte kein korrektes XML ausgewiesen hat. In der Hauptsache liegt das
an der fehlerhaften Zeichensatzkodierung. So machen Sonderzeichen im
description-Element oft dem Feed den Garaus. Was nun? Plain Text macht
wenig Sinn, weil dann der Komfort der Links im Text fehlt (die Reader
interpretieren schließlich alle HTML). Unicode ist schon besser. Dass
das Datum dem RFC 822 folgt, ist auch kein Zeichen für große
Internationalität. Andererseits macht die Deklaration von
Dublin-Core-Namespaces im Feed diesen wieder komplexer, wo bleibt dann
das "Really Simple"? Tja.
Dennoch, um zumindest für moderne Feed-Reader gewappnet zu sein, habe
ich nun einen zusätzlichen RSS 2.0-Feed mit
Datum gebastelt. Mehr
Meta-Angaben gibts dann auch erstmal nicht, um das möglichst klein zu
halten. Und, wenn ich schon dabei
bin: hier der Feed mit
abgekürzten Einträgen. Den Validierungstest
besteht er erstmal.
Leider ist das erstmal kein Unicode. Da muss ich erstmal mein Perl
updaten :-/
Essential reading: RSS
2.0 Spec beim Harvard Berkman Centre, Looking
for the perfect feed, Mike Golding (notestips.com).
um 14:39 in /meta [#]