Schnorchelfabrik Weblog : minimal blogging redux


Schnipsel zur Netzkultur, Informations-Allmende und Randgebieten

Sonntag, 29. Februar 2004

Philosophen-Unfall beim Schwäne ärgern
Der Freigeist Denis Diderot, am bekanntesten für seine Arbeit an der berühmten Encyclopedie, gleichzeitig Kumpel von Rousseau und Voltaire, berichtet am 17. September 1760 an Sophie Volland:

...Mir ist ein kleiner Unfall zugestoßen. Ich spazierte um einen großen Teich mit Schwänen herum. Diese Vögel waren sehr eifersüchtig über ihr Reich und kommen, sowie man sich im nähert, eiligst herbeigerauscht. Ich machte mir einen Spaß daraus, sie ein wenig in Bewegung zu bringen: kaum waren sie am einen Ende ihres Reichs angelangt, zeigte ich mich ihnen am andern. Dazu mußte ich aus Leibeskräften laufen, und dabei passierte es mir, daß ich mit dem Fuß gegen eine Eisenstange stieß, die einen der Hydranten verschloß, wie man sie im Umkreis geschlossener Gewässer anbringt. Der Aufprall war so heftig, daß die Stange an der Winkelstelle entzweibrach und fast auch meine Schuhschnalle. Mein Schienbein ist voller Schrammen und blau und rot angelaufen. Das hinderte mich nicht, über mein Malheur zu scherzen, durch das ich gezwungen bin, in Pantoffeln und das eine Bein auf einem Hocker gelager, still dazusitzen.

(übersetzt von Johanna Borek. In: Denis Diderot: Briefe, 1742 - 1781, ausgewählt u. hrsg. von Hans Hinterhäuser, Insel 1984, S. 111)

um 19:43 in /literatur  [#]

Donnerstag, 26. Februar 2004

Der Schrecken ohne Ende, das Trivialpatent
Patente auf Zeit sind eine bewährte Einrichtung und fördern tatsächlich in vielerlei Hinsicht die Innovationskraft der Unternehmen in einer freien Wirtschaft. Absolut groteske Züge hingegen trägt das Unwesen der Patenterteilung auf Algorithmen, Software- oder einfach Trivialpatent genannt, wie unlängst sogar das Europäische Parlament festgestellt hat.

Gar nicht erstaunlich, aber immer wieder furchteinflößend erscheinen dann die Meldungen über neue abenteuerliche Vorschläge, die zudem noch ernstgenommen werden müssen, wenn sie so wie folgendes Beispiel auf den Seiten des US Patent Office nachzulesen sind. Kurzum: Microsoft findet die Idee multipler virtueller Desktops tatsächlich patentierungswürdig.
Ein Auszug:
Method for providing a desktop switcher to switch among multiple virtual desktops in a graphical user interface being presented on a display of a computer system, each virtual desktop having a background image that may be different from the background image of another virtual desktop, the method comprising: displaying a set of thumbnails, each thumbnail representing a full-size virtual desktop of the multiple virtual desktops, and each thumbnail having a background image that corresponds to the background image of the full-size virtual desktop represented by the thumbnail [...]

Tolle Sache. Da müssen ja die Köpfe geraucht haben. Oder zuviel vor einem Linux-Windowmanager gesessen. Dass nun auch Gerichte den Quasi-Monopolisten wg. Patentverletzung verurteilt haben, ist da auch kein Trost. Put out the lights on the age of reason.
Trivialpatenttechnisch gibt es übrigens auch weiterhin gute Gründe, nicht mehr bei Amazon zu shoppen (FFII Files Opposition against Amazon).

(über Slashdot)

um 23:29 in /libresoft  [#]

Erster Thinkatlon an der UB Tübingen
Die Universitätsbibliothek Tübingen ist Gastgeber der ersten Thinkatlon-Diskussionsrunde am 12.03.2004.
Im Zentrum der eintägigen, deutschsprachigen Diskussionsrunde steht, wie die Organisatoren bekannt geben, die Frage, welchen Nutzen Wirtschaft und Wissenschaft aus der Open-Source-Bewegung ziehen können. Vertreter aus Unternehmen, Universitäen, und Open-Source-Projekten wollen interessierten Besuchern erprobte Technologien und Organisationsformen aus der Open-Source-Praxis vorstellen und so die Arbeit als Wissenschaftler, Software-Entwickler, Manager oder Berater mit Freier Software erleichtern.

(... berichtet Pro-Linux)

um 23:15 in /libresoft  [#]

Dienstag, 24. Februar 2004

Töne-Suchmaschine
Unter Findsounds.com lauert eine Eingabezeile auf eingabewillige Geräuschesucher. Keine schlechte Sache für eine erste Übersicht. Mir scheint jedoch. die reinen Sound-Archive sind oft eine bessere Anlaufstelle. Bibliothekstypische Sounds konnte ich auf die Schnelle nicht herauslocken -- kein mysteriöses Blätterrascheln und auch kein gedämpftes Lesesaalhüsteln. Allerdings ist mir auch gerade der englische Fachbegriff für Lesesaalhüsteln entfallen.

um 22:50 in /tools  [#]

Centrale og gratis leksika på internettet
Erik listet in seinem dänischen Weblog Internetsøgning einige freie Internet-Nachschlagewerke, die man vielleicht noch nicht gesehen hat. Ganz nett zum Bookmarks-Vervollständigen.
Noch netter ist der Titel des Weblogs, der hieß heute nämlich etwas kryptisch Internetsøgning -- die HTML-Parser sind eben unerbittlich.

um 22:42 in /biblio  [#]

RSS-Feeds aus Open Directory Project extrahieren
Der XML Hub ODP Feed Creator kommt sofort auf die Liste noch auszuprobierender Tools für den Hausgebrauch.
(über Library Stuff)

um 22:27 in /tools  [#]

Montag, 16. Februar 2004

Der Terror der graphischen Benutzeroberfläche (Dritter Teil und Schluss)
Die Vorstellung, die Usability von Oberflächen durch das Abbilden von analogen Prozessen der realen Welt abzubilden, ist kläglich an ihre Grenzen gestoßen. Anstatt sich einmal mit ordentlicher Computersyntax auseinanderzusetzen, will der durchschnittliche Computerbenutzer am liebsten nichts lernen und sich trotzdem optimal verstanden wissen. Solange wir noch nicht unsere Absichten per Gedankenübertragung an die Maschine weitergeben können, werden wir also weiter vor uns hin stümpern. Wer sich die Autonomie erhalten will, effizient arbeiten möchte und eine höhere Lernkurve nicht scheut, findet unter dem intellektuellen Output der Freien-Software-Entwickler brauchbare Alternativen: nicht perfekt, aber als Arbeitswerkzeuge einigermaßen nützlich.
Jeder will alles möglichst einfach haben. Aber kann man denn allen Ernstes erwarten, dass es einfacher sein soll, mit einer Handvoll maschinenlesbarer Anweisungen und Programmierschleifen zu kommunizieren, als mit einem menschlichen Gegenüber, dessen Sprache man nicht mächtig ist? Ja, eigentlich sollte man das. Warum auch nicht? Schließlich soll die Technik uns helfen und nicht an der Nase herumführen und alles nur noch komplizierter machen. Allerdings liegt der Tag der Erfüllung noch hinter dem Horizont. Weit dahinter.
Unter der Oberfläche der Bedienungsfreundlichkeit schlummert der Bumerang der computerisierten Gesellschaft, die Nemesis der Usability Designer, der schlimmste Alptraum seit Bill Gates. Sie verspricht ein einfacheres Leben und schafft doch nur die reine Ineffizienz.

(Teil 3 von 3, und Schluss)

um 23:30 in /tech  [#]

Sonntag, 15. Februar 2004

Der Terror der graphischen Benutzeroberfläche (Zweiter Teil)
Nichts gegen ein bisschen Monitorästhetik. Nichts gegen die Maus an sich. Ja, sogar nichts gegen Fenster. Aber warum um alles in der Welt braucht es jedesmal nervenaufreibende Navigationsorgien durch Startmenus um ein neu installiertes Programm zu finden? Warum muss der Desktop mit Bildchen zugekleistert werden wenn es doch genügen würde, einfach eine Eingabeaufforderung bereitzustellen? Warum soll es komfortabel sein, ständig Fenster zu maximieren oder zu minimieren? Warum muss ich dreimal klicken, um überhaupt den ersten Buchstaben in das Adressfeld einer E-Mail schreiben zu können? Ja sicher, es gibt Shortcuts, aber die Schere zwischen Grafik und Tastatur hat sich meist so weit geöffnet, dass schon ohne Steuerungstasten gar nichts mehr geht: so steht man nackt und einsam vor der Wahl zwischen der blinden Maus und einer ihrer Mächtigkeit beraubten Tastatur. Es geht auch anders. Ich benutze ein Mailprogramm, welches nichts anderes tut, als eben elektronische Post zu verschicken. Updates stopfen höchstens noch Sicherheitslöcher und verstopfen nicht die einfache Klarheit der Benutzeroberfläche durch überflüssige neue Gadgets. Will ich eine neue Mail schreiben, drücke ich ein M. Dann fragt mich mein Programm nach einem Empfänger, dann nach einem Betreff, und dann nach einem Text, ohne dass ich etwas anderes drücken müsste als die Returntaste. Für jede Funktion gibt es eine Taste, und da elektronische Post nunmal nicht sonderlich aufregend zu bedienen ist, ist man rasch in der Lage, auch dutzende von E-Mails schnell zu lesen. Ohne auch nur einen Augenblick die Maus geschoben zu haben. Mein Programm kennt keine Maus. Es geht gar nicht mal mit einer Maus. Die Programmierer sahen schlichtweg keine Notwendigkeit darin, ein Zeigegerät auf ein Programm aufzupfropfen, welches sowieso nur mit Text zu tun hat. In der Tat sollte man bei rationaler Betrachtung meinen, nur ein Wahnsinniger käme auf die Idee, bei einer solchen Funktionalitätsanforderung plötzlich mit einer Maus herumzufahren. Doch es ist so gut wie Alltag geworden, für alle selbstverständlich und normal. Die Maus hindert die Anwender gleichzeitig daran, sich einmal Gedanken darüber zu machen, wie effizient das Ganze Herumgefuhrwerke überhaupt ist. Die Maus verhindert den Fortschritt in der Entwicklung nützlicher Interfaces. Zugegeben: ein Grafikprogramm hat viele nützliche anklickbare Dinge. Ich klicke auch gerne mal auf Hyperlinks. Wozu ich aber keine Lust habe, ist das Stochern in schlecht programmierten Oberflächen, in denen man für die einen Funktionen nur die Maus nutzen kann, und andere nur unzureichend über Tastenkommandos zu erreichen sind. Die Mehrheit der bisher entwickelten Programme sind durch genau diese Tücken gekennzeichnet.

(Teil 2 von 3, wird fortgesetzt)

um 23:06 in /tech  [#]

Samstag, 14. Februar 2004

Der Terror der graphischen Benutzeroberfläche (Erster Teil)
Der Umgang mit dem Computer findet heute in einer Übergangszeit statt: vom kryptischen Tastaturkommando bereits weitgehend entfernt, führt der Weg über die Spracheingabe bis hin zur synaptischen Verschmelzung implantierter Hirnchips. So weit ist es allerdings noch nicht. Mit allen nur erdenklichen Schnörkeln werden immer neue Funktionalitäten vorgegaukelt, welche Altbekanntes umfrisieren und wahre Fortschritte in der Mensch-Maschine-Kommunikation verhindern. "Durch den ständigen Gebrauch von GUIs" (Graphical User Interfaces), schreibt Neal Stephenson, "haben wir unmerklich eine Prämisse geschluckt, die nur wenige Leute akzeptiert hätten, wenn sie ihnen geradeheraus präsentiert worden wäre, nämlich, dass schwierige Dinge leicht und komplizierte einfach gemacht werden können, indem man ihnen nur die richtige Benutzeroberfläche verpasst." (Die Diktatur des schönen Scheins, München 2002). Wenn ich ein Programm aufrufen will, ist es dann nicht der einfachste denkbare Weg, einfach den Namen einzutippen, und ab geht der Spaß? Lange Zeit war das auch so, doch dann kam der Macintosh und setzte anklickbare Bildchen davor. Der Gelangweilte mag in wilden Klickorgien und der Suche nach den richtigen Knöpfen noch etwas Erfüllendes finden, der an ernsthafter technischer Unterstützung bei der Umsetzung seiner Ideen und Arbeit Interessierte findet jedoch immer schwieriger wirklich nützliche Werkzeuge. Der Terror der sich überlappenden Fenster ist eine seltsamsten Entwicklungen in der Geschichte des Personal Computers. Die heutigen Desktops speisen sich fast ausnahmslos noch aus der naiven Anfangswelt, als der Macintosh das multimediale Fensterln einführte. Dass das manuelle Müllraustragen mit der Maus in einen virtuellen Mülleimer geradezu als Revolution angesehen wurde, bestimmte eine ganze Generation von Usability Designern, die anfingen, alles mögliche so verdesktopisieren, und heute macht ihre Rachegöttin Überstunden, um niemanden davonkommen zu lassen ohne Knoten im Gehirn.

(Teil 1 von 3, wird fortgesetzt)

um 23:34 in /tech  [#]

War nur eine Frage der Zeit: SCO fährt den eigenen Karren in den Dreck
Prof. Eben Moglen, Rechtsberater der Free Software Foundation, bescheinigt der Firma SCO im Streit um angebliches geistiges Eigentum am Linux-Kernel eine denkbar schlechte Strategie. Die angestrengten Klagen gegen IBM und nun auch Novell markieren die kopflose Flucht ins Verderben der Firma: eine bei der derzeitigen Faktenlage zu erwartende sichere Prozessniederlage werden die Shareholder nicht verzeihen.
If SCO's licensing campaign fails to generate the revenues SCO has been predicting for potential investors--because it turns out that SCO never owned what it claimed to be legally entitled to force others to license-- SCO and its principals will have plenty to answer for, and not just to its shareholders, but to the SEC as well. It is not good practice to attempt to force people to buy from you what you may not own. It is even worse prac- tice to mislead investors into thinking that they will benefit from such sales without disclosing that you may not own what you are trying to sell. Now that SCO itself has begun unraveling this aspect of the situation, the end is in sight. The winter of SCO's discontent is likely to give way to a glorious summer for open source software.
(Open Source Development Labs)

um 23:34 in /libresoft  [#]

Donnerstag, 12. Februar 2004

Der Terror der graphischen Benutzeroberfläche (Intro)
Unter der Oberfläche der Bedienungsfreundlichkeit schlummert der Bumerang der computerisierten Gesellschaft, die Nemesis der Usability Designer, der schlimmste Alptraum seit Bill Gates. Sie verspricht ein einfacheres Leben und schafft doch nur die reine Ineffizienz.
Mehr dazu in Kürze.

um 22:16 in /tech  [#]

Donnerstag, 05. Februar 2004

Zitat
Librarians have lots of plan B's. We know when to go to a book, when to call someone, even when to go to Google.
(Joe Janes in New York Times vom 05.02.2004 / free registration!)

um 21:26 in /biblio  [#]

Zu dumm für die Revolution? (Tyranny of copyright)
Etwas irritiert entnahm ich einem Bericht in der New York Times (free registration) die Information, nach der der Berkman-Center-Chef Fisher mit einer unglaublichen, bahnbrechenden Idee (a radical overhaul of the current system den Zwist zwischen Musikindustrie und Musik-Klauern lösen will:
As a first step, all works capable of being transmitted online would be registered with a central office, which would then monitor how frequently the work is used. The work's creator would be compensated on that basis using funds collected via a tax on various content-related devices, such as DVDs, blank CDs or digital recorders

Alles frei zugänglich für jeden, wenn nur kräftig Rohlinge gekauft werden? Hmm. Zugegeben, der Verteilungsschlüssel der Pfründe nach Nutzungshäufigkeit ist ein Aspekt, aber existiert solch ein Modell nicht schon seit Jahren etwa hierzulande? Abgaben für Leerkassetten und Rohlinge an die GEMA und Kopierpauschalen an die VG Wort waren lange die Grundlage für das Ausnahmerecht zur deutschen Privatkopie. Was soll daran neu sein? Was müsste da denn alles besteuert werden? Rechner? Auch Netze? Es mutet schon seltsam an, für alles Dämliche was das Popgeschäft noch hervorbringen mag, im Voraus löhnen zu müssen. Manche Sachen will man auch lieber nicht geschenkt.

um 21:25 in /copy  [#]

Open Archives Protokoll mit Perl abfragen (für Bastler)

     1      use Net::OAI::Harvester;
     2  
     3      my $harvester = Net::OAI::Harvester->new(
     4          baseURL => 'http://memory.loc.gov/cgi-bin/oai2_0'
     5      );
     6  
     7      my $records = $harvester->listRecords( 
     8           metadataPrefix => 'oai_dc',
     9           set            => 'lcphotos'
    10      );
    11      my $finished = 0;
Und so weiter. Eine Anregung gibt es in der neuen Ausgabe der Ariadne.

um 21:14 in /tech  [#]

Mögliche Folgen von Open Access für Bibliotheken (zwei Artikel)
Open Access zu wissenschaftlichen Publikationen weitet sich aus, und viele Bibliotheken wissen nicht so recht, ob sie sich freuen sollen oder doch lieber nicht. Zwei kurze verständliche Artikel beschreiben das Dilemma zwischen Gewährleistung des freien Zugangs auf der einen und der Berechtigung von Bibliotheken als Informationsbeschaffer (und -bezahler) auf der anderen. In der Tat wohl ein komplexes Kapitel welches nicht ganz einfach zu beantworten sein wird. Ändern aber wird sich etwas, wenn der finanzielle Erwerbungsaufwand für Zeitschriften immer kleiner ausfallen sollte.

B. Quint im Searcher:
...what if the cost of distributing the material drops precipitously? What if it becomes, to all extents and purposes, free? (...) So what does this all mean? Fewer, Better Libraries run by Fewer, Better Librarians. And what about the rest of the profession? Where do they go for employment? (nicht ohne mit der Floskel der "neuen Aufgaben", welche vor uns liegen, zu schließen. Wir müssen sie nur noch finden, natürlich.

Auch Scott Plutchak schreibt im
Journal of the Medical Library Association:
The impacts of the open access movement will be very profound and will fundamentally alter the way we manage our libraries and the role that we as librarians play in our institutions. I do not think we can underestimate how radical these shifts will be (...) The more successful open access becomes, the more irrelevant our traditional view of library budgets will be.
(über Open Access News)

um 21:04 in /openaccess  [#]